Behindert ein Sportmundschutz Atmung und Leistung?
Nach bisheriger Studienlage nicht relevant, wenn er individuell gefertigt ist und gut passt. Entscheidend sind dabei Passung, Schichtaufbau und die individuelle Mundsituation.
Beim Sport soll ein Mundschutz vor allem eines: schützen. Was aber, wenn er beim Atmen stört, bei geöffnetem Mund den Halt verliert oder nur durch permanentes Zubeißen an Ort und Stelle bleibt? Dann wird aus der Schutzfunktion schnell ein funktionelles Problem.
Genau hier wird moderne Sportzahnmedizin interessant. Unter Begriffen wie Performance Dentistry wird diskutiert, wie orale Bedingungen, Kieferfunktion und sportliche Leistungsfähigkeit zusammenhängen. Für den Sportmundschutz ergibt sich daraus eine ziemlich konkrete Anforderung: Er darf selbst nicht zum limitierenden Faktor werden. Übersichtsarbeiten aus den Jahren 2017 und 2019 sprechen dafür, dass individuell gefertigte Mundschutze die sportliche beziehungsweise kardiorespiratorische Leistungsfähigkeit nicht relevant beeinträchtigen müssen. Die Autoren der Übersichtsarbeit von 2019 weisen allerdings darauf hin, dass die Ergebnisse vorsichtig zu interpretieren sind, weil sich die untersuchten Messgrößen und Methoden stark unterscheiden.
Das war für uns bei Flemming Anlass, die Anforderungen an einen individuellen Sportmundschutz genauer zu betrachten. Wie viel Material ist sinnvoll? Wie stabil muss der Schutz bei geöffnetem Mund sitzen? Welche Rolle spielen Belastungsart und Platzangebot? Daraus ergibt sich eine Systematik aus zwei- und dreischichtigen Varianten für unterschiedliche Anforderungen.
Gerade unter Belastung muss ein Sportmundschutz sicher sitzen, ohne den Mundraum unnötig einzuengen. Ein Schutz, der nur durch ständiges Zubeißen in Position bleibt, ist nicht sinnvoll. Auch die Kommunikation zählt: Wer im Mannschaftssport Kommandos gibt oder Mitspieler warnt, muss trotz Mundschutz sprechen können. Stabiler Sitz, freies Atmen und möglichst geringe Beeinträchtigungen von Kieferstellung, Sprache und Leistungsfähigkeit gehören deshalb zu den Anforderungen an einen individuellen Sportmundschutz.
Ein Sportmundschutz braucht ausreichend Material, um auftreffende Kräfte aufzunehmen und zu verteilen. Gleichzeitig ist der intraorale Raum begrenzt. Mehr Material ist deshalb nicht automatisch die bessere Lösung. Flemming arbeitet mit vier differenzierten Varianten:
Zwei Menschen können Basketball spielen und trotzdem völlig unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen. Zahnbogenform, Engstände, prominente Frontzähne oder das verfügbare Platzangebot unterscheiden sich. Hier liegt ein wesentlicher Unterschied zum konfektionierten Mundschutz: Die Sportart lässt sich kategorisieren. Der Patient nicht.
Das betrifft längst nicht nur Kinder und Jugendliche im Vereinssport. Auch Erwachsene betreiben Mannschafts-, Bike- oder Kampfsport und können Kronen, Veneers oder Implantate tragen. Dann muss die gesamte dentale Situation mitgedacht werden.
Besondere Anforderungen entstehen, wenn sich die dentale Situation verändert: während einer kieferorthopädischen Behandlung oder im Wechselgebiss. Flemming kann kieferorthopädische Apparaturen und neu durchbrechende Zähne beim individuellen Sportmundschutz berücksichtigen. Wann eine Anpassung oder Neuanfertigung erforderlich ist, muss individuell entschieden werden.
Sportmundschutz ist mehr als ein Zusatzprodukt für einzelne Risikosportarten. Für Zahnarztpraxen bietet er einen guten Anlass, mit sportlich aktiven Patienten über ihre individuelle orale Situation zu sprechen – bei Jugendlichen ebenso wie bei Erwachsenen. Und weil Zahnstellung, Restaurationen, KFO und Platzverhältnisse die Ausführung beeinflussen können, liegt die Beratung sehr nah an der zahnärztlichen Kernkompetenz.
Beeinträchtigt ein Sportmundschutz die Atmung?
Nach bisheriger Studienlage müssen gut angepasste, individuell gefertigte Mundschutze die kardiorespiratorische Leistungsfähigkeit nicht relevant beeinträchtigen. Die Evidenz ist allerdings begrenzt und die Studien sind methodisch uneinheitlich.
Kann man mit einem Sportmundschutz sprechen?
Ein individuell gefertigter Mundschutz soll so konstruiert sein, dass Sprechen möglich bleibt – etwa um im Mannschaftssport Kommandos zu geben. Deshalb achtet Flemming darauf, den Mundraum nicht unnötig einzuengen.
Geht ein Sportmundschutz auch bei fester Zahnspange?
Ja, kieferorthopädische Apparaturen können beim individuellen Sportmundschutz berücksichtigt werden. Wann eine Anpassung oder Neuanfertigung nötig ist, wird individuell entschieden.
Welche Variante passt zu welcher Sportart?
Zweischichtige Varianten sind für eher flächige Belastungen gedacht, dreischichtige für harte, kleinflächige Impulsbelastungen. Neben der Sportart entscheiden aber auch Platzangebot und individuelle Mundsituation.
Nach bisheriger Studienlage müssen gut angepasste, individuell gefertigte Mundschutze die kardiorespiratorische und motorische Leistungsfähigkeit nicht relevant beeinträchtigen. Die Datenbasis ist allerdings überschaubar: Die Übersichtsarbeiten stammen aus den Jahren 2017 und 2019, und die experimentelle Studie von Lässing et al. untersuchte nur zwölf junge Handballer. Dass dort kein Unterschied gemessen wurde, heißt nicht, dass es in keinem Fall einen gibt. Umso wichtiger sind Passung und Konstruktion – sie sind mehr als Fragen des Tragekomforts.
Bei Flemming entscheidet deshalb nicht allein die Materialstärke über die Ausführung. Belastungsart, Platzangebot und individuelle Mundsituation werden im Zusammenhang betrachtet. Am Ende geht es um eine ziemlich sportliche Frage: Wie schützt man gut, ohne die Performance auszubremsen?